Borwin – Rostock, Stadthafen

11 03 2012

Das Rostocker Borwin ist sowas wie der Gnadenstoß, nachdem die Landeshauptstadt Schwerin schon sterbend zusammengebrochen am kulinarischen Boden liegt. Ja, es ist nicht schön. Aber in Sachen Gastronomie gehört Nachtreten zum guten Ton!

Das Borwin ist der – rein geografisch naheliegende – Beweis, daß gehobene Küche nicht auch gehobene Preise bedeuten muß, wie uns die Schweriner Gastropolizei immer wieder vorbetet. Man kann das auch in die andere Richtung erleben, auch nur ein Stündchen entfernt, in Hamburg.
Vermutlich zeichnet das den typischen Schweriner Auf-Schwerin-Stolz-Seier aus: er kommt nie raus. Und wenn, dann merkt er nichts.
Ja, es gibt die Hafenmeisterei und das Ars Vivendi. Aber so fein auch das eine oder andere dort sein mag, so kommt es immer mit der güldenen Schwere des Besonderen im Alltäglichen daher, obwohl es im Jahre 22 nach der Wende das Einfachste von der Welt ist, ein paar Entenlebern mit gutem Balsamico zu beträufeln. An der Ware kann es also nicht liegen.

Im Borwin gibts Gemütlichkeit wie bei Oma, Kellnerinnen die einfach nett sind und solche Sachen wie Entenleber an Balsamico oder gebratenen Ziegenkäse mit Honig kredenzen. Einfach so. Ohne die Lippen zu schürzen oder sonstwie wichtig zu tun.
In Schwerin sieht man es den Kellnerinnen echt an, daß sie sich zu Hause die A&P-Wurst auf Lätta kleben und dazu Ice-Tea aus dem Tetrapack verkippen – und dann auf Arbeit mit dem einfachsten Mozzarella Caprese überfordert sind.

Im Borwin ist das anders. Und wenn man zu zweit dann zufrieden das Haus verläßt ohne an der 30 Euro-Grenze gekratzt zu haben, dann ist das … Zauberei? Für Schweriner bestimmt.


Update: Die “Hafenmeisterei Schwerin” hat inzwischen geschlossen.





Ein Steak, ein Carpaccio und lieber kein Lamb Vindaloo!

28 01 2012

Rostock fetzt. Soviel ist klar. Das Schöne für den Kulinaristen ist, daß die erwähnenswerte Innenstadt nicht allzu groß ist, aber innerhalb dieses Quartiers eine beachtliche Auswahl an guten Köchen laboriert. Das Blockhouse zum Beispiel ist mit Sicherheit nicht die erste Adresse, aber eine sichere Bank, wenn man von freundlichem Personal ein perfekt gegrilltes Steak kredenzt haben möchte. Auch preislich liegt das Objekt am Uniplatz im Limit – ganz anders das Rosmarino am Stadthafen. Allerdings gibt es hier ein grandioses Ambiente und herrlichen Wein (der aktuelle Primitivo ist göttlich!). Der Salat vorneweg ist im Preis enthalten. Das ist auch ganz gut so, denn mit etwa 20 Euro ist das Filet ziemlich teuer. Insgesamt ist man also für 30 Euro pro Person recht hochklassig unterwegs. In Zeiten, in denen es eben nicht die Norm ist, daß man gut bewirtet wird, muß man halt etwas tiefer in die Tasche greifen.
Noch tiefer allerdings muß man bei Albert & Emile greifen. Dafür ist aber das Erlebnis auf Weltniveau. Wer nicht kleckern will, der sollte aber für 2 Personen lockere 100 Euro im Ärmel haben.

Der Grieche am Stadthafen. Nunja. Das Ambiente habe ich schon mal gesehen, so um 1990 in Bremen. Aber die Fetacreme war wirklich köstlich, nur schmeckte ich keinen Schafskäse heraus. Leider. Und die Hackbällchen waren so mittel. Insgesamt also nicht schlecht, aber auch keine unbedingte Empfehlung.
Hingegen gar nicht empfehlen kann ich den Inder in der Leonhardstraße. Ausrangierte Thai…, äh du weißt schon… und eine zehn Meter dicke deutsche Hausfrau, die in der Küche arbeitet. So schmeckt denn auch das Essen. Es heißt zwar alles indisch, schmeckt aber alles irgendwie so, als hätte die Köchin einfach nur die Büchse “Indischcurry nach Tandori- oder Vindaloo-Art” aufgemacht.
Schade.
Und jetzt erinnere ich mich auch an das indische Restaurant in Schwerin. Dort schmeckte das Essen genau so fade. Eigentlich haargenau so.
Nein. Nicht gut. Dagegen ist das Hamburger Raj Mahal ein lukullischer Tempel!!!

Höchste Punktzahl aber bekommt die Weinwirtschaft im Haus Sonne. Das Carpaccio ist wunderbar und der dazu gereichte Brotkorb schmückt sich mit täglich wechselnden Dips. Es gibt eine Wurstplatte mit Biozeugs vom Landwerthof und der Wein ist so richtig teuer. An einer Tafel wurde ein Wein angepriesen. Man könne ihn kaufen, die Flasche für ca. 7,80 € oder so. Ich dachte, bevor ich kaufe, probiere ich mal ein Gläschen. Das kostete mich dann lächerliche ca. 7, 10 €.
Mein Tipp: kaufen Sie den Wein in der Flasche und trinken Sie ihn hinterher zuhause. Er ist wirklich gut.





Finca la Torre – Update

17 12 2011

Inzwischen habe ich Antwort von Rapunzel.
Darin wird bestätigt, daß es sich neuerdings um ein gefiltertes Öl handelt, die alten Etiketten, auf denen “ungefiltert” steht, aber “aus ökologischen Gründen” aufgebraucht worden seien. So ist es also möglich, daß im Regal ein gefiltertes Öl steht, das aber als ungefiltert deklariert ist.

Für Rapunzel ist die neuerliche Filterung eine Qualitätssteigerung, da gefiltertes Olivenöl deutlich länger haltbar sei.
Na gut.
Für mich jedenfalls bedeutet das: ich muß mir ein neues ungefiltertes Öl suchen. Für Tipps bin ich sehr dankbar.





Finca la Torre

10 12 2011

Heute muß ich dringend warnen!
Ich kaufte kürzlich mein Lieblingsolivenöl “Finca la torre”. In den vergangenen Jahren nutzte ich es in Bad und Küche. Das Öl war trüb, weil ungefiltert, und sehr kräftig, fruchtig. Es ist ein Rapunzel-Produkt in Demeter-Qualität.
Ich kaufte also wieder zwei Flaschen im Biomarkt und wunderte mich (leider erst) zu Hause, daß das Öl nicht trüb, sondern komplett transparent ist. Geruch und Geschmack sind im Vergleich zur “alten” Qualität eher schwach.

Was hat das zu bedeuten?
Vor dem Hintergrund, daß seit dem 1. April 2011 hochwertiges Olivenöl ganz offiziell mit billigem Abfall gepanscht werden darf und der Aufdeckung einer Eisbergspitze im Biobetrug in Italien… bin ich mir sicher, daß hier, also auch bei Finca la Torre, nicht mehr das drin ist, was drauf steht.
Es ist definitiv kein ungefiltertes Öl!

Wer aber Olivenöl – wie ich – nutzt, weil es verdammt gesund ist, der möchte gerne auch all die Stoffe im Öl behalten, die ein reines und ehrliches Olivenöl ausmachen. Und deshalb kaufte ich bislang diese Marke.

Ich habe mich am vergangenen Donnerstag per Mail an Rapunzel gewandt und um Aufhellung gebeten. Leider kam bislang keine Reaktion, möglicherweise haben die genug um die Ohren wegen der italienischen Panscher. Allerdings wäre das wirklich ein Skandal, wenn auch Demeter betroffen wäre.

Solange also Rapunzel nicht antwortet (muß man ja nur, wenn der Journalist ARD oder RTL auf der Stirn trägt ^^), möchte ich dringend davor warnen, das aktuelle Öl von Finca la Torre zu kaufen. Die von mir gekauften Flaschen habe ich Anfang Dezember in einem Biomarkt in der Nähe von Schwerin gekauft; es ist offensichtlich eine junge Charge.
Warum warnen? Das Öl ist nicht ganz billig, schmeckt und riecht (neuerdings) aber nicht besser als ein billiges Supermarktöl.

Inzwischen habe ich Antwort von Rapunzel: hier.





Himbeereis, Apfelmus, Essigzwiebeln und Birnenkompott

19 11 2011

Grandios, wie simpel und lecker das ist.
Grandios, zu welcher Faulheit man (von Werbung und Presse) angestiftet wird.
Grandios, wieviel Geld man sparen kann, wenn man sich ein wenig meditative Zeit gönnt. Ich höre in diesen Tagen eine alte “Keimzeit”-CD und bin positiv erschrocken über die grandiosen Texte.
Küchenarbeit und Musik passen wundervoll (grandios) zusammen. So gibts keine Langeweile.

Gestern nahm ich also ca. 8 Äpfel, wusch und viertelte sie und kochte sie in einer Handvoll Wasser weich, ca. 1/2 Stunde. Hinein kamen außerdem ca. 6 Teelöffel Zucker und eine Prise Salz.
Ein zweiter Topf auf kleiner Flamme, obendrauf die Flotte Lotte und alles durchgedreht und siedend abgeschmeckt.
Abgefüllt in Einweckgläser, auf den Kopf gestellt und abkühlen lassen.
Fertig und lecker.

Nebenbei schälte ich die Zwiebeln, die in diesem Jahr viel zu klein geraten waren und kochte sie in einem kräftigen Essig-Zucker-Wasser (+ Prise Salz) einmal auf. Abgefüllt im Weckglas, auf den Kopf gestellt und abkühlen lassen.
Saulecker!

Heute dann mußte ich Eis selber machen. Schon lange ein Traum von mir!

Also einen ordentlichen Schuß Sahne und ungefähr ein halbes Pfund Milch (beides: Hof Weitenfeld), ein Eigelb (Stenzels Landfleischerei), zwei kräftige Eßlöffel Himbeermarmelade (Eltern) und eine Prise Salz ausführlich mit dem Mixer geschlagen, mit Zucker abgeschmeckt und abgefüllt in eine Gefrierdose. Diese kommt in den Gefrierschrank und wird einmal pro Stunde gerührt.
13 Uhr eingestellt.
14 Uhr gerührt (am Rand war die Masse etwas hart).
15 Uhr gerührt (rundherum war der Rand schon ca. 1 cm dick gefroren).
16 Uhr gerührt (die Masse war schon sehr cremig-fest)
Jetzt noch mindestens 2 Stunden im Gefrierschrank frieren lassen und fertig.

PS: die frisch gerührte Masse schmeckte schon so grandios, daß ich kurz überlegt habe, ob ich sie nicht sofort vertilge…

Jetzt: 4 Birnen (Nachbars Garten)
Achteln und in einem kräftigen Essig-Zucker-Wasser (mit Prise Salz und Schuß Zitrone) aufkochen. 30 Minuten sieden lassen und abfüllen in Weckgläser, auf den Kopf gestellt…

Wer hat eigentlich gesagt, daß der November ein trüber Monat sei?





Casagrande Update – Schwerin, Werderhof

17 11 2011

Dort aß ich mein erstes Scaloppine al Marsala. Es wurde eine Liebe fürs Leben, dachte ich. Das da was faul ist, merkte ich erst, als ich in Italien ein Scaloppine al Marsala bestellten und etwas ganz anderes bekam. Ab sofort gehörte das (echte) Scaloppine al Marsala zu meinen Lieblingsspeisen für immer.

Ich habe dem Casagrande verziehen, denn das Carpaccio dort war in Ordnung und das Personal nett, lustig, fröhlich usw.
Auch die Arrabiata war o.k. und die Tomatensauce.

Kürzlich aber war alles anders. Neue, überforderte Bedienung und Saucen, die nach irgendwas schmeckten. Die scharfe Sauce war nicht scharf und für den Parkplatz mußte ich 50 Cent zahlen.

Ich traue mich jetzt nicht mehr dort hin.
Vorerst.
Gelinde gesagt: ich bin erschrocken.





Buscherie – Schwerin, Buschstraße

2 10 2011

Kalbsleber, kleine Portion, für 8,50 Euro.  Mit dabei: Zwiebel-Apfel-Bett und echtes Kartoffelpüree + sehr leckere Sauce.
Das Kartoffelpüree hätte vielleicht etwas Muskat vertragen, dafür war die Leber perfekt. Nur ein echter Kritikpunkt: das Feuerwerk der Aromen war nur kurz. Nach dem ersten – sehr guten – Eindruck passierte leider nichts mehr. Genauso ging es mir auch mit der Kürbissuppe.

Das Ambiente ist vielleicht etwas zu ambitioniert, sehr lilalastig und das Holz hat einen Charme von Luxusanbauwand 1986 (Exportware, NSW).
Dafür gibts sehr aufmerksame Bedienung, Kellner mit Handschuhen und einen großen Schoppen Riesling für 4,50 Euro.

Ja, ich muß sagen, ich bin beeindruckt. Das bedeutet aber auch, daß ich das Objekt weiter im Auge behalten muß.
Vorerst kann ich es dringend empfehlen!








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