Finca la Torre

Heute muß ich dringend warnen!
Ich kaufte kürzlich mein Lieblingsolivenöl „Finca la torre“. In den vergangenen Jahren nutzte ich es in Bad und Küche. Das Öl war trüb, weil ungefiltert, und sehr kräftig, fruchtig. Es ist ein Rapunzel-Produkt in Demeter-Qualität.
Ich kaufte also wieder zwei Flaschen im Biomarkt und wunderte mich (leider erst) zu Hause, daß das Öl nicht trüb, sondern komplett transparent ist. Geruch und Geschmack sind im Vergleich zur „alten“ Qualität eher schwach.

Was hat das zu bedeuten?
Vor dem Hintergrund, daß seit dem 1. April 2011 hochwertiges Olivenöl ganz offiziell mit billigem Abfall gepanscht werden darf und der Aufdeckung einer Eisbergspitze im Biobetrug in Italien… bin ich mir sicher, daß hier, also auch bei Finca la Torre, nicht mehr das drin ist, was drauf steht.
Es ist definitiv kein ungefiltertes Öl!

Wer aber Olivenöl – wie ich – nutzt, weil es verdammt gesund ist, der möchte gerne auch all die Stoffe im Öl behalten, die ein reines und ehrliches Olivenöl ausmachen. Und deshalb kaufte ich bislang diese Marke.

Ich habe mich am vergangenen Donnerstag per Mail an Rapunzel gewandt und um Aufhellung gebeten. Leider kam bislang keine Reaktion, möglicherweise haben die genug um die Ohren wegen der italienischen Panscher. Allerdings wäre das wirklich ein Skandal, wenn auch Demeter betroffen wäre.

Solange also Rapunzel nicht antwortet (muß man ja nur, wenn der Journalist ARD oder RTL auf der Stirn trägt ^^), möchte ich dringend davor warnen, das aktuelle Öl von Finca la Torre zu kaufen. Die von mir gekauften Flaschen habe ich Anfang Dezember in einem Biomarkt in der Nähe von Schwerin gekauft; es ist offensichtlich eine junge Charge.
Warum warnen? Das Öl ist nicht ganz billig, schmeckt und riecht (neuerdings) aber nicht besser als ein billiges Supermarktöl.

Inzwischen habe ich Antwort von Rapunzel: hier.

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4 Kommentare zu „Finca la Torre

  1. Das Managment auf der Finca wird seit etwa einem Jahr von einer schweizer Holding dominiert und in dem Zuge wurden neue Verarbeitungstechniken eingeführt. Veränderung muss nicht immer Verbesserung sein. Haltet den guten Geschmack des „alten“ Finca La Torre Öl im Gedächtnis, vielleicht kommt es wieder,aber dann sicherlich zu „würdigen“ Preisen. Wenn Banker statt Kohle Öl machen, müssen sie erst mal tüchtig lernen, denn die „alten Hasen“ sind weg. Erfahrung kann man sich (zum Glück) nicht kaufen.

  2. Hallo tochkopf
    Vom technischen Standpunkt macht es Sinn, dass Rapunzel sein Öl filtrieren lässt. Olivenöl ist vereinfacht dargestellt ein Gemisch aus gesättigten, einfach und mehrfach ungesättigten Fettsäuren, die mit dem Alkohol Glycerin die Triglyceride (Ölsäure, Palmitin, Linolsäure usw.) bilden. Leider können diese Fette verderben (und für den menschlichen Organismus ungeniessbar werden) indem sie vor allem durch Hydrolyse und Oxidation zersetzt werden. Für die Hydrolyse braucht es die Anwesenheit von Wasser. Durch die modernen Mühlentechnologien (hohe Touren-/Schleuderzahlen von bis zu 3’00 U/min.) wird etwas vom Frucht- und Prozesswasser mit dem Öl dispergiert (= Emulsion = Trüb). Sofern das Rapunzel Öl mit reiner Zellulose (Papierfilter) gefiltert wird, werden gleich min. drei Probleme eliminiert: Erstens indem durch die Zellulose eine Entwässerung erfolgt, zweitens die organischen Feststoffe (Reste von Fruchtfleisch und Kernen) entfernt werden, die eine Oxidation begünstigen können und drittens so auch eine Sedimentation dieser Stoffe am Flaschenboden und somit die Gefahr einer anaeroben Fermentation reduziert.

    Ich kann mir zudem nicht vorstellen, dass sich Rapunzel als Biopionier gepanschtes Öl leisten kann und wird. Auf der Rapunzel HP ist unter „Warenkunde Olivenöl“ übrigens ein ausführlicher Bericht zur Finca zu finden und auch die HP von Finca La Torre scheint sehr transparent/glaubhaft zu sein. Das sieht alles sehr seriös aus und ich gehe davon aus, dass die Jungs dort reine Zellulose zum Filtrieren verwenden und das ist OK für Bio.

    Die Geschmäcker sind bekanntlich verschieden und ich für meinen Teil mag lieber saubere, frische und dezent scharfe Öle als die schweren, tranigen und schon leicht oxidierten Öle, die lange Zeit typisch waren für Spanien. Trübe Öle meide ich aus oben dargelegten Gründen schon seit Jahren.
    Aficioliva

    1. Vielen Dank für die Erläuterung, die nach echter Kompetenz schmeckt. Das gibts in Foren ja selten ;).
      Ich halte es beim Kochen und Essen jedenfalls lieber mit älteren Herstellungsarten und dem „vollen“ Aroma, auch wenn es dann nicht so „rein“ ist.

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