Borwin – Rostock, Stadthafen

Das Rostocker Borwin ist sowas wie der Gnadenstoß, nachdem die Landeshauptstadt Schwerin schon sterbend zusammengebrochen am kulinarischen Boden liegt. Ja, es ist nicht schön. Aber in Sachen Gastronomie gehört Nachtreten zum guten Ton!

Das Borwin ist der – rein geografisch naheliegende – Beweis, daß gehobene Küche nicht auch gehobene Preise bedeuten muß, wie uns die Schweriner Gastropolizei immer wieder vorbetet. Man kann das auch in die andere Richtung erleben, auch nur ein Stündchen entfernt, in Hamburg.
Vermutlich zeichnet das den typischen Schweriner Auf-Schwerin-Stolz-Seier aus: er kommt nie raus. Und wenn, dann merkt er nichts.
Ja, es gibt die Hafenmeisterei und das Ars Vivendi. Aber so fein auch das eine oder andere dort sein mag, so kommt es immer mit der güldenen Schwere des Besonderen im Alltäglichen daher, obwohl es im Jahre 22 nach der Wende das Einfachste von der Welt ist, ein paar Entenlebern mit gutem Balsamico zu beträufeln. An der Ware kann es also nicht liegen.

Im Borwin gibts Gemütlichkeit wie bei Oma, Kellnerinnen die einfach nett sind und solche Sachen wie Entenleber an Balsamico oder gebratenen Ziegenkäse mit Honig kredenzen. Einfach so. Ohne die Lippen zu schürzen oder sonstwie wichtig zu tun.
In Schwerin sieht man es den Kellnerinnen echt an, daß sie sich zu Hause die A&P-Wurst auf Lätta kleben und dazu Ice-Tea aus dem Tetrapack verkippen – und dann auf Arbeit mit dem einfachsten Mozzarella Caprese überfordert sind.

Im Borwin ist das anders. Und wenn man zu zweit dann zufrieden das Haus verläßt ohne an der 30 Euro-Grenze gekratzt zu haben, dann ist das … Zauberei? Für Schweriner bestimmt.


Update: Die „Hafenmeisterei Schwerin“ hat inzwischen geschlossen.

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5 Kommentare zu „Borwin – Rostock, Stadthafen

  1. Köstlich zu lesen! Vor allem das Bild der Schweriner Kellnerinnen geht mir nicht aus dem Kopf und erregte mein Humorzentrum.
    Qualität hat ihren Preis, aber nicht alles, was teuer ist, ist auch gut.

  2. Und nicht alles, was gut ist, muß teuer sein. Vielleicht noch soviel: wirklich günstig ist das Borwin auch nicht – aber die Karte läßt es zu, daß man als Gast sowohl preislich als auch kulinarisch einen großen Spielraum hat. Das gefällt mir sehr gut.

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